Neuer Boss stellt Premiere auf den Kopf

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Neuer Boss stellt Premiere auf den Kopf

Seit Mark Williams als Gesandter des Großaktionärs Rupert Murdoch vor einigen Wochen beim Bezahlsender Premiere das Ruder übernahm, blieb in Unterföhring vor den Toren Münchens kaum ein Stein auf dem anderen. Der Australier tauschte nahezu den kompletten Vorstand aus, schmiss fast eine Million Karteileichen aus dem Kundenverzeichnis und will nun auch die Strategie des Senders ändern. Klasse statt Masse heißt künftig die Devise. Statt Bezahlen auf Abruf, Schnupperangeboten, Häppchen-Paketen und Luftbuchungen sollen künftig feste Kunden und regelmäßige Einnahmen her. "Wir werden uns auf die festen Abonnenten konzentrieren", betonte Williams diese Woche in München.


Der Kurswechsel erscheint überfällig. Denn viel Freude hat Murdoch, dessen News Corp 25,1 Prozent an Premiere hält, sein Investment bisher nicht gemacht. Seit Jahresbeginn fielen mehr als 150 Millionen Euro Verlust an. Der Aktienkurs dümpelte zuletzt bei rund 3,30 Euro herum. Bei seinem Einstieg im Januar hatte der Medienmogul noch 17,50 Euro pro Aktie hingeblättert. Das bekam zuletzt auch seine News Corp. zu Spüren. Im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal (Ende September) verdiente der Medienkonzern fast ein Drittel weniger als im Vorjahr - auch wegen der Abschreibungen auf den Wert der deutschen Beteiligung.

Williams "überrascht" von finanzieller Situation bei Premiere

In mehreren Schritten muss und will der neue Premiere-Chef den Sender finanziell wieder auf ein solides Fundament stellen. Ein ambitioniertes Projekt. Gewinne machte Premiere bisher nur einmal im Jahr 2005. Er sei überrascht gewesen von den Ergebnis-Trends bei Premiere, sagt Williams, "von den Finanzen im Allgemeinen."


Dass der Neuanfang nicht von heute auf morgen geht, darüber macht sich der sportbegeisterte Australier, der in seiner Freizeit gerne Ski fährt, Squash spielt und surft, keine Illusionen. "Ich bin auf absehbare Zeit hier. Die Arbeit ist sicher nicht in sechs Monaten beendet." Doch Williams bringt auch die nötige Erfahrung mit. Für Murdoch brachte er als Feuerwehrmann in den vergangenen Jahren bereits den einst maroden italienischen Bezahlsender Sky Italia auf Vordermann.

Bundesliga und Hacker-Problem als Nagelproben für Premiere

Seine Erfahrung aus Italien will er nun auch jenseits der Alpen zum Einsatz bringen. Eines der wesentlichen Probleme wurde, so hofft Williams, Anfang dieser Woche beseitigt. Premiere stellte sein Verschlüsselungssystem um und grub damit zahlreichen Schwarzsehern das Wasser ab. Die einfache Erkenntnis dahinter: Keiner zahlt für ein Programm, das er auch umsonst haben kann. "Es ist fundamental für das Pay-TV-Geschäft, dass es sicher ist", sagt Williams. "Die Situation in Italien war 2003 ähnlich wie hier. Das Piraterieproblem war sogar noch größer." Wie viele Pay-TV-Piraten sich nun aber zu geläuterten, zahlenden Abonnenten wandeln, darüber wagte Williams im Gegensatz zu seinem Vorgänger Michael Börnicke keine Prognose. Börnicke hatte bis zu 200.000 Neuzugänge in Aussicht gestellt.

Ob Kunden kommen, dürfte auch wesentlich von der Frage abhängen, ob Premiere auch künftig die Spiele der Fußball-Bundesliga im Angebot hat. Derzeit läuft die Ausschreibung für die kommenden Jahre. Anders als seine Vorgänger Michael Börnicke und Georg Kofler will Williams dabei aber nicht auf Konfrontationskurs zur Deutschen Fußball Liga (DFL) und der ungeliebten Sportschau im frei empfangbaren Fernsehen gehen. "Wir können und müssen mit der Sportschau leben", betont er. Kofler hatte im Ringen um mehr Exklusivität bei der Vergabe der Rechte 2005 zu hoch gepokert, den Zuschlag erhielt der Nobody Arena. Viele Abonnenten wanderten ab, der Aktienkurs fiel ins Bodenlose. Premiere musste die Senderechte später teuer zurückkaufen. Williams will es nun anders machen.

quelle: sat+kabel